Ich gewöhne mich ja an Köln, so ganz langsam. Aber nachdem ich nun auch mein Auto hier habe, kommen neue Anpassungsschwierigkeiten auf mich zu. Beim Umzug musste ich schon schmerzlich erfahren, was es bedeutet, in Köln eine Tankstelle und wieder nach hause zu finden. Doch die letzten Erfahrungen im Straßenverkehr gaben mir den Rest und ich überlege ernsthaft, ob ich mein Auto nicht doch wieder in Berlin stehen lasse.
Letztes Wochenende war mal wieder Waschtag. Glücklich, dass ich die 50 kg Wäsche nun wenigstens nicht bis zum Waschsalon schleppen musste, sondern nur bis zum Auto, begab ich mich zu eben solchem. Aber was musste ich da sehen? Irgendein Assi hatte meinen Spiegel abgefahren! Dieser hing nun leblos an der Fahrertür herab und musste nun von mir in die Scheibe eingeklemmt werden, damit er bei der Fahrt nicht ständig den „gepflegten“ Lack missbrauchte. Soviel aber nur zur Vorgeschichte.
Der letzte Donnerstag sollte nicht mein Tag werden. Ein Kühlschrank sollte in unser neues Büro geliefert werden. Zwischen 7.30 und 13 Uhr. Mareen stellte sich also den Wecker auf 6 Uhr und wachte dann tatsächlich auch um 7.37 Uhr auf, weil ihr Telefon klingelte und die liebe Heike am anderen Ende fragte, ob es sehr einsam im Büro ist. STRESS! Fragt nicht, wie ich es geschafft habe, um 8.10 tatsächlich im Büro zu sein, aber ich denke, das spiegellose Auto war da doch eine große Hilfe. Dort angekommen fiel mir dann aber auf, dass am Abend noch Kultur in Form von Theater anstand und ich aussah, als hätte ich verschlafen und nur schnell das erstbeste, bedeckende Etwas übergeworfen.
Also bin ich in der Mittagspause nochmal nach hause gefahren, um mich theatertauglich anzuziehen. Auf dem Rückweg gab es eine für Köln typische Situation. Kein Auto hinter mir, kein Auto kommt mir entgegen. Wenn ich jetzt nach links abbiege, spare ich mir ca. 1 km Umweg mit U-Turn oder auch 5 Min. Zeit. Aber da ist dieses Schild. Weißer Pfeil auf blauem Grund. Der Pfeil zeigt nach vorne und nach rechts. Die Fahrschule hat mich gelehrt, hier darf man nicht links abbiegen. Kurze Schrecksekunde, schon reiße ich das Steuer nach links. Ha, Ihr doofen Kölner mit Eurer Linksabbiege-Phobie, Euch habe ich es gezeigt!! Ein paar Meter weiter steht auf einmal ein Mann in grün auf der Straße und zeigt auf mich und dann auf den Straßenrand…
Ich halte an, lächle gewinnend.
Grüner Mann 1 guckt auf meinen im Fenster eingeklemmten Spiegel, zuppelt kurz dran rum und sagt: „Aha… Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte!“
Ich krame und wühle und übergebe ihm reumütig das Gewünschte.
Grüner Mann 1: „Frau Günther, Sie sind da vorne links abgebogen. Das ist nicht erlaubt. Und das WISSEN Sie auch.“
Ich: „Ähöm.“
Grüner Mann 1: „Und dann auch noch ohne Spiegel.“
Ich: „Ja, also, ich komme ja aus Berlin…“
Grüner Mann 1: „Jetzt kommen Sie mir nicht so. Da darf man auch nicht links abbiegen, wenn das verboten ist.“
Ich (überlege kurz): „Ja gut, aber da darf man wenigstens ÜBERHAUPT links abbiegen.“
Grüner Mann 1: „Tja, das ist halt so in Köln. Das hat auch einen Grund.“
Ich: „Ach echt?“
Grüner Mann 1: „Ich würde dann ein Verwarnungsgeld in Höhe von 30 Euro vorschlagen. Können Sie gleich mit ec-Karte bezahlen.“
Wenig später halte ich einen ec-Kartenbeleg mit dem Logo der NRWschen Polizei in den Händen und frage mich, wieso der Grüne Mann 1 mir immer noch nicht erklärt hat, wieso man in Köln immer erst rechts abbiegen muss, um 1 km weiter einen U-Turn zu machen und dann wieder rechts abzubiegen. Aber ich bin lieber ruhig, lächle den Grünen Mann 2 an, der die ganze Zeit nichts gesagt hat, sondern nur die Beifahrertür bewacht hat. Er lächelt nicht, sondern sagt nur „Ciao“. Ich steige auch wieder ein, fahre ins Büro und weiß schon jetzt – ich werde es wieder tun!